Einblicke in die Milchkuhhaltung
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Die Milch. Was wir denken. Was dahintersteckt.
Milchkuhhaltung ist so vielfältig wie unsere Landschaften
Familiengeführte Höfe sind das Herz der Milchkuhhaltung. Oft sind sie seit Generationen in gras- und regenreichen Regionen verwurzelt – und halten mit ihrer täglichen Arbeit unsere Kulturlandschaften lebendig.
Für manche Menschen erscheint Milchkuhhaltung dennoch „industriell“. Vielleicht, weil sie düstere Kampagnen-Bilder im Kopf haben, ihnen die technologische Unterstützung auf dem Hof oder die Verarbeitung der Milch in modernen Anlagen fremd sind.
Tatsächlich ist die Milchkuhhaltung heute moderner und viel mehr auf den Bedarf jedes Tieres ausgerichtet als früher.
Digitalisierung und technischer Fortschritt unterstützen Mensch und Tier
Smart ist, wenn es allen hilft: Landwirt:innen können mit Hilfe von Sensoren in Halsbändern, am Fußgelenk und in Ohrmarken der Kühe das Fress-, Liege-, Lauf- und Wiederkauverhalten im Blick behalten. Mit den Informationen können sie einschätzen, was jedes Tier braucht und bei Auffälligkeiten schnell handeln.1 Immer mehr Höfe (Statistisches Bundesamt: 2024 rund 19 %) investieren auch in automatische Melksysteme, die es der Kuh überlassen, wann sie zum Melken kommt und die dabei weitere Daten liefern.2
Im Schnitt leben 76 Kühe auf einem Hof
In Deutschland leben rund 3,6 Millionen Milchkühe auf 47.157 Höfen (Statistisches Bundesamt, November 2025). Damit umfasst eine Herde, die auf einem Hof lebt, im Schnitt 76 Kühe. Es gibt deutliche regionale Unterschiede: Spitzenreiter bei der Anzahl der Höfe ist Bayern. Gleichzeitig stehen hier mit durchschnittlich 46 Kühen die kleineren Herden. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen werden im Schnitt 241 Tiere pro Hof gehalten – ein Spiegel der unterschiedlichen Strukturen und landschaftlichen Voraussetzungen.3
9 von 10 Milchkühen leben in offenen Laufställen
Kühe lieben das Leben in der Herde. Moderne Laufställe geben ihnen dazu Bewegungsfreiheit und sind zugleich ein wichtiger Rückzugsraum für das Wiederkäuen – mit weichen Liegeflächen, Tageslicht, frischer Luft und jederzeit freiem Zugang zu Wasser und Futter.
Etwa jede dritte Kuh hat regelmäßigen Zugang zu einer Weide – in Regionen wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind es rund die Hälfte der Tiere.4 Wo das nicht möglich ist, schaffen immer mehr Landwirt:innen mit sogenannten „Laufhöfen“ Raum für Bewegung außerhalb des Stalls.
| Haltungsform | Kühe | Anteil Tiere |
| Laufstallhaltung | 3.348.232 | 89 % |
| Anbindehaltung | 417.043 | 11 % |
Thünen-Institut: Rinder in Anbindehaltung – Anzahl und Anteile der Milchkühe in den unterschiedlichen Haltungsverfahren 2020, o.O. 2020 5
Anbindehaltung geht zurück
Die ganzjährige Anbindehaltung geht in Deutschland bereits seit Jahren zurück. Heute findet sie sich vor allem noch auf eher kleinen Höfen in kleinbäuerlichen Strukturen. Und das hat einen Grund: Der Bau von Laufställen oder von alternativen Haltungsformen ist hier oft mit besonderen Herausforderungen verbunden – er erfordert Investitionen, eine gesicherte Hofnachfolge und eine wirtschaftliche Perspektive. Viele der meist älteren Höfe können sich dem nicht stellen und beenden die Milchkuhhaltung schrittweise. Andere stellen um auf moderne Haltungsformen. Aus diesen Gründen wird der Anteil der Anbindehaltung in den kommenden Jahren immer weiter sinken.
Im Januar 2026 berichtete der Bayerische Rundfunk über die Wege aus der Anbindehaltung. Schau dir gerne den Beitrag an.
Und die „Massentierhaltung“?
Der Begriff „Massentierhaltung“ taucht in Diskussionen häufig auf, beschreibt aber keine rechtlich definierte Haltungsform. Er ist eher ein emotionaler Sammelbegriff, der wenig darüber aussagt, wie es den Kühen tatsächlich geht. Denn die Zahl der Tiere in einer Herde oder die Zahl der Herden auf einem Hof sind nicht allein ein Indiz dafür, ob es den Tieren gut geht. Wichtig ist vor allem, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit die Kühe bekommen und wie gut die Menschen auf den Höfen mit ihnen umgehen. Studien, unter anderem vom Thünen-Institut, zeigen: Gute Betreuung, Erfahrung, regelmäßige Weiterbildung und moderne Ställe – unterstützt durch Technik wie automatische Melksysteme – sind entscheidender für das Tierwohl als die Größe eines Hofes.6
Höfe öffnen ihre Türen
Immer mehr Landwirt:innen werden mit Aktionen, Hof-Events und auf Social Media aktiv, damit Verbraucher:innen Einblick in den Alltag auf dem Hof haben können.
Dialog Milch hat 2025 z. B. die Arbeit dieser Höfe ausgezeichnet:
- Hof Morbeck – Instagram: @hof_morbeck
- Milchviehbetrieb Meppen – Instagram: @milchviehbetrieb_meppen
- Den Büchelshof – Instagram: @kevelaerer_landmomente
- Scholten-Meilink GbR – Instagram: @bauernhof_scholtenmeilink
Save the Date; Am 13. und 14. Juni 2026 ist deutschlandweit Tag des offenen Hofes.
Quellen
1 DLG-Ausschuss Technik in der Tierhaltung: Digitale Anwendungen für das Herdenmanagement in der Milchviehhaltung, DLG-Merkblatt 466, 2021, online unter: https://www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-merkblatt-466-digitale-anwendungen-fuer-das-herdenmanagement-in-der-milchviehhaltung (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
Deutscher Bauernverband: Digitalisierung in der Landwirtschaft 2020
2 Statistisches Bundesamt (Destatis), 26 % der landwirtschaftlichen Betriebe besaßen im Jahr 2023 Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien, Pressemitteilung Nr. 204 vom 23. Mai 2024, online unter: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/05/PD24_204_41.html (zuletzt abgerufen am 25.03.2026).
3 Tergast H, Hansen H, Gidalova D (2025): Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Milchkühe. Braunschweig: Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, 19 S., online unter: https://www.milchtrends.de/fileadmin/milchtrends/1_Trendthemen/2025-12_Steckbrief_Milchkuehe_2025.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026).
4 Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Haltungsformen für Milchkühe, zuletzt aktualisiert am 2.07.2025, online unter: https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/tier/rinder/haltungsformen-fuer-milchkuehe (zuletzt abgerufen am 25.03.2026).
5 Thünen-Institut: Rinder in Anbindehaltung – Anzahl und Anteile der Milchkühe in den unterschiedlichen Haltungsverfahren 2020, o.O. 2020, online unter: https://www.thuenen.de/de/themenfelder/nutztierhaltung-und-aquakultur/nutztierhaltung-und-fleischproduktion-in-deutschland/anbindehaltung-in-der-rinderhaltung
6 Lindena T, Hess S: Trendthema im Oktober 2022 – „Ist das Tierwohl auf kleinen Milchviehbetrieben besser?“, milchtrends.de, online unter: https://www.milchtrends.de/fileadmin/milchtrends/1_Trendthemen/2022_10.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
Gesundheit ist oberstes Ziel
Gesundheit und Robustheit der Herde sind wichtiger als Milchleistung allein
Das beginnt schon mit der Zucht. Tatsächlich steht heute eine Vielzahl von Merkmalen im Vordergrund, die Gesundheit, Fitness und Robustheit der Kühe beschreiben.
Artgerechte Haltung bietet nicht nur Platz
Tiergesundheit hat viele Einflussfaktoren: Neben ausreichendem Platz, frischer Luft und tiergerechter Fütterung brauchen Kühe den Kontakt zu ihrer Herde sowie Möglichkeiten zur Beschäftigung und Fellpflege wie Massagebürsten und Kratzmatten zum „Schubbern“. Ebenso wichtig sind klauenschonende Laufgänge und weiche, trockene Untergründe in den Liegebereichen. Denn unabhängig davon, ob Kühe im Stall oder auf der Weide sind: 8 bis 10 Stunden des Tages verbringen sie im Liegen vor allem für das gründliche Wiederkauen.7
Mensch-Tier-Beziehung ist der Schlüssel
Wichtig für das Wohl der Kühe ist, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit das Hofteam für sie hat und wie gut die Menschen mit ihnen umgehen. Studien, unter anderem vom Thünen-Institut, zeigen: Gute Betreuung, Erfahrung, regelmäßige Weiterbildung und moderne Ställe – unterstützt durch Technik wie automatische Melksysteme und datenerfassende Halsbänder– sind entscheidender für das Tierwohl als die Größe eines Hofes.8
Zusammenarbeit mit Amtstierärzt:innen
Amtliche Tierärzt:innen bringen Fachwissen und Unabhängigkeit in das Sicherungssystem. Sie prüfen die Gesundheit der Tiere, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und die Dokumentation der Eigenkontrollen. Bei Auffälligkeiten arbeiten sie gemeinsam mit den Landwirt:innen an Verbesserungen und überprüfen die Umsetzung.9
Versorgung von kranken Tieren
Wird eine Kuh krank, braucht sie Ruhe und eine gute Behandlung. Sie kommt dann in einen abgetrennten Krankenbereich mit ausreichend Platz, wo sie aufmerksam beobachtet und betreut werden kann. Landwirt:innen und Tierärzt:innen dokumentieren ganz genau, welche Medikamente sie verwenden. Die Milch kranker und behandelter Tiere wird nicht verwertet. Sie gelangt gar nicht erst in den Milchtank.10
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In diesem Reel erklärt eine bayerische Landwirtin, was Milchfieber ist.
Antibiotikaeinsatz um 68 Prozent gesunken
Fortschritte in der Haltungsform, der Tiermedizin und konsequente Maßnahmen haben dazu geführt, dass beispielsweise der Antibiotikaeinsatz seit 2011 um rund 68 Prozent gesunken ist. Werden Tiere mit Antibiotika behandelt, darf ihre Milch während dieser Zeit nicht verarbeitet werden. Es gibt gesetzlich definierte Wartezeiten, die streng eingehalten werden. So ist sichergestellt, dass keine Rückstände in Lebensmittel gelangen.11
Stiftung Warentest 2023: Milchqualität mikrobiologisch „sehr gut“
Immer wieder gibt es Stimmen, die die Milch als Risikoprodukt bezeichnen. Aber ist das richtig? Ein klares „Nein“ kommt von der Stiftung Warentest. Im März 2023 veröffentlichte sie in ihrem Magazin „test“ einen groß angelegten Test frischer Vollmilch. Das Fazit der Untersuchung von 28 Produkten: „Wir fanden weder Krankheitserreger noch Antibiotikarückstände oder wesentliche Schadstoffbelastungen. Mikrobiologisch ist jede Milch sehr gut.12
Quellen
6 Lindena T, Hess S: Trendthema im Oktober 2022 – „Ist das Tierwohl auf kleinen Milchviehbetrieben besser?“, milchtrends.de, online unter: https://www.milchtrends.de/fileadmin/milchtrends/1_Trendthemen/2022_10.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
7 Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Niedersachsen e.V. (LVN): Die Kuh – ein Wiederkäuer (Poster „Aus Gras wird Milch“), Hannover 2021, online unter: https://milchland.de/wp-content/uploads/2021/11/LVN-13704_Kuhposter_RZ_MYKT-Wiederkaeuen_QR.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
8 Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT): Unsere Milch – Milch und mehr. Warum die Gesundheit unserer Tiere entscheidend ist! Faltblatt, Stand 01/2024, online unter: https://www.bft-online.de/fileadmin/bft/unsere-milch/BfT_Faltblatt_Unsere_Milch_Einzelseiten_20240207.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
9 Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT): Unsere Milch – Milch und mehr. Warum die Gesundheit unserer Tiere entscheidend ist! Faltblatt, Stand 01/2024, online unter: https://www.bft-online.de/fileadmin/bft/unsere-milch/BfT_Faltblatt_Unsere_Milch_Einzelseiten_20240207.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
10 DLG-Ausschuss Milchproduktion und Rinderhaltung (Hrsg.): Rinder-Haltung: Umgang mit kranken und verletzten Rindern, DLG-Merkblatt 459, Frankfurt a. M. 2022, online unter: https://www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-merkblatt-459-umgang-mit-kranken-und-verletzten-rindern (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
11 Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT): Unsere Milch – Milch und mehr. Warum die Gesundheit unserer Tiere entscheidend ist! Faltblatt, Stand 01/2024, online unter: https://www.bft-online.de/fileadmin/bft/unsere-milch/BfT_Faltblatt_Unsere_Milch_Einzelseiten_20240207.pdf (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
12 Stiftung Warentest: Frische Vollmilch im Test, in: test, Heft 3/2023 (online veröffentlicht am 21.02.2023), online unter: https://www.test.de/Test-Milch-1590601-0 (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
Ein gemeinsamer Weg
Die Haltung von Kühen und damit das Tierwohl entwickeln sich mit neuem Wissen immer weiter. Landwirt:innen und Molkereien, ganz gleich, ob Bio oder konventionell, investieren in Haltungsbedingungen, Gesundheitsmanagement, Fortbildungen und moderne Technik. Verbraucher:innen können in ihren Kaufentscheidungen unterstützen.
Worauf beim Einkauf achten?
- Die „D“-Nummer in einem ovalen Stempel auf Milchprodukten gibt Auskunft, dass die Milch in einem registrierten Betrieb in Deutschland verarbeitet wurde, ergänzt um das Bundesland und die Kennnummer der Molkerei. Regionale Produkte lassen v.a. Rückschlüsse auf die Struktur der Landwirtschaft zu und erhöhen so die Transparenz.
- „Weidemilch“ heißt: Die Kühe stehen zwischen April und Oktober an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens 6 Stunden auf der Weide. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt. Die Kennzeichnung durch „Pro Weideland“ garantiert die 720 Stunden Weidegang und legt zudem die Größe der Flächen fest.
- Die Kennzeichnung durch den Tierschutzbund „Für mehr Tierschutz“ (mit **) sichert ab, dass die Tiere das ganze Jahr über z. B. auf einen Laufhof an die frische Luft und von Frühjahr bis Herbst auf die Weide kommen.
- Die Kriterien der Haltungsformkennzeichnung von QM-Milch (Stufen QM+ bis QM+++) und des DLG-Labels (Bronze, Silber, Gold) der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft kennzeichnen sowohl Stallhaltung als auch konventionelle Haltungsformen mit Weidegang.
- Die etablierten Bio-Programme wie Bioland und Demeter setzen Schwerpunkte bei Auslauf und Platz, Bio-Fütterung, Antibiotikaeinsatz und ökologischer Landbewirtschaftung.
- Bezeichnungen wie „Heumilch“ finden sich im Grenzgebiet zu Österreich und sagen primär etwas über die Fütterung der Kühe aus.
Haltungsform-Kennzeichnung in fünf Stufen jetzt auch bei Milchprodukten
Das gemeinsam von Expert:innen, Handel und Produzent:innen entwickelte System betrachtet vor allem Stallart, -größe, das Angebot von Beschäftigungsmaterial und Auslaufmöglichkeit. In fünf Stufen unterscheidet die Kennzeichnung Stallhaltung (Stufe 1), Stall+Platz (Stufe 2), Frischluftstall (Stufe 3), Auslauf/Weide (Stufe 4) und Bio (Stufe 5). Hier gliedern sich geeignete Programme entsprechend ein.13
Nach Aussagen der Programmverantwortlichen konnten Landwirt:innen bis Ende 2025 rund 30 % der Tiere in die freiwillige Kennzeichnung einbinden. Ein Fortschritt für mehr Transparenz. Und: Die Landwirt:innen erhalten Tierwohlaufschläge der Molkereien direkt.
Die wichtigsten Programme der Haltungsform-Kennzeichnung
Die Haltungsform-Kennzeichnung liefert eine Struktur für Zertifizierungssysteme, die sich in der Branche bereits in der Vergangenheit mit klar definierten und verbindlichen Kriterien etabliert haben. Zu den wichtigsten zählen QM-Milch (Stufen QM+ bis QM+++), das DLG-Label (Bronze, Silber, Gold), „Pro Weideland“, „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes sowie die etablierten Bio-Programme.
Audits und Zertifizierungen sichern Tierwohl-Standards
Landwirt:innen sind der wichtigste menschliche Sensor für das Tierwohl in allen Haltungsformen. Wenn etwas in der Herde nicht stimmt, stellen sie es in der Regel als Erstes fest. Sie liefern die Voraussetzungen für die Einhaltung der hohen Tierhaltungsstandards in Deutschland und eine artgerechte Haltung.
Darüber hinaus stellen regelmäßige externe Audits durch unabhängige Prüforganisationen wie beispielsweise milchZert oder die ACG (ACG Agrar-Control GmbH) sicher, dass Standards eingehalten werden. Bei Verdacht auf Verstöße erfolgen Kontrollen auch unangekündigt. So ist sichergestellt, dass Abweichungen schnell erkannt und umgehend behoben werden – für dauerhaft gesicherte Qualität und verlässliche Zertifizierungen.
Dialog und Information gibt es hier
Initiative Tierwohl und Haltungsform
Pro Weideland
Für mehr Tierschutz
QM-Milch.Info,
DLG Tierwohl-Label
Demeter
Bioland
Darüber hinaus öffnen auch immer mehr Höfe und Molkereien ihre digitalen Türen auf Instagram, YouTube und den Internetseiten, um Einblick in die Herkunft der Milch und Milchprodukte möglich zu machen.
Quellen
13 Initiative Tierwohl: Haltungsform – Informativ – Transparent – Bewusst, Informationsportal zur einheitlichen Haltungsform-Kennzeichnung, online unter: https://haltungsform.de (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
Ein Thema mit vielen Seiten
Mit der Geburt eines Kalbes beginnt eine Kuh, Milch zu geben. Gleichzeitig sind Kälber auch die nächste Generation und Teil der Zukunft eines Hofes. Aufmerksamkeit und Wissen fließen in die Aufzucht zu gesunden Kühen und jeder Hof hat unterschiedliche Voraussetzungen, diese Phase zu gestalten. Parallel verändern sich die Anforderungen und Wertschätzung der Gesellschaft. In diesem Dreieck bewegen sich die Debatten.14
Nicht verhandelbar: Die Versorgung von Kuh und Kalb
Kurz vor dem Kalben wird die Kuh in eine ruhige Abkalbebox oder einen abgetrennten Liegeplatz gebracht. Die meisten Kühe gebären ohne Hilfe, doch die Tierhalter:innen beobachten den Ablauf genau und greifen bei Komplikationen ein.
Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt sind für die Kälber entscheidend für ein gesundes Aufwachsen. Wichtig ist die ausreichende Versorgung mit der „Biestmilch“, der ersten Muttermilch, damit sich das Immunsystem und die Funktion des Darms gut aufbauen. Um Infektionen zu verhindern, achtet das Hofteam im Weiteren besonders auf die Hygiene in der Versorgung und der Unterbringung der Jungtiere.
Der Weg ins Herdenleben
Es gibt kein Patentrezept und jeder Hof gestaltet diese Phase unterschiedlich – abhängig von der Herde, der Umgebung und der Größe des betreuenden Teams.
Verbreitet ist heute die Trennung von Kuh und Kalb, sobald das Jungtier auf eigenen Beinen steht und bevor sich eine Bindung aufbaut. Hier werden die Kälber zunächst zusammen, aber in einzelnen Boxen (auch „Kälbernest“ genannt) untergebracht, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Nach etwa einer Woche leben die Tiere in der Gruppe auf einer gemeinsamen Fläche.
Kälber direkt in der Herde groß zu ziehen, ist mit anderen Anforderungen u.a. an Manpower und Fläche verbunden. Das ist realisierbar, wo diese Rahmenbedingungen geschaffen werden können und dann die Möglichkeit zur Vermarktung besteht, um den Unterhalt zu finanzieren. Aktuell ist die „Kuh-Kalb“-Milch, bei der z. B. Ammenkühe mehrere Kälber versorgen, deshalb eher im Bio-Segment zu finden. Mit diesen wirtschaftlichen und ökologischen Fragen beschäftigt sich weiterhin die Wissenschaft.15
Einen weiteren Überblick gibt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft auf seiner Internetseite.16
Landwirt:innen geben Einblicke
Immer mehr Landwirt:innen werden mit Hof-Führungen und auf Social Media aktiv, damit Verbraucher:innen auch das Aufwachsen der Kälber kennenlernen können. Hier stellen wir nach und nach solche Höfe vor.
- Milchfluencerin Theresa nimmt uns mit zu der Geburt eines Kalbs.
- Der Christerbauerhof zeigt in seinem „Kälbertagebuch“ die Schritte von der Geburt bis zur ersten Milchleistung.
Quellen
14 Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN): Tiergerechte Aufzucht von Kälbern, Positionspapier 01/2026, online unter: https://www.fbn-dummerstorf.de/aktuelles/news/meldungen/news/fbn-veroeffentlicht-positionspapier-zur-tiergerechten-kaelberaufzucht/ (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
15 Thünen-Institut: Kuhgebundene Kälberaufzucht, Dossier im Themenfeld „Nutztierhaltung und Aquakultur“, online unter: https://www.thuenen.de/de/themenfelder/nutztierhaltung-und-aquakultur/kuhgebundene-kaelberaufzucht (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
16 Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Was passiert mit den Kälbern von Milchkühen?, zuletzt aktualisiert am 8.10.2025, online unter: https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/tier/rinder/was-passiert-mit-den-kaelbern-von-milchkuehen (zuletzt abgerufen am 25.03.2026)
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