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Fragen und Antworten

FAQ

Viele Menschen interessieren sich für die Milchwirtschaft und stellen durchaus auch kritische Fragen. Acht wiederkehrende Fragen haben wir herausgegriffen und beantwortet.

1.

Kühe in Ketten – was ist dran an diesem Vorwurf von Tierschutzaktivist:innen?

Dieses Bild wird häufig in Kampagnen von Aktivist:innen verwendet, um das Verbot der Anbindehaltung zu fordern. Laut der letzten Landwirtschaftszählung 2020 wurden noch zehn Prozent der Kühe so gehalten. Mit dem fortschreitenden Umbau der Landwirtschaft und dem Ausscheiden von Höfen sinkt diese Zahl weiter. In Deutschland lebt die große Mehrheit der Milchkühe in Laufställen. Zusätzlich arbeiten Landwirtschaft, Molkereien und Handel seit Jahren gemeinsam am weiteren schrittweisen Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung, etwa durch Förderprogramme und Umbauhilfen.1

2.

Was ist mit Anbindehaltung? Sind Kühe dauernd angebunden?

Von den heute noch existierenden Anbindeställen arbeitet ein Teil bereits in sogenannten Kombinationssystemen, bei denen die Kühe zwar im Stall angebunden, aber zusätzlich regelmäßig auf die Weide oder in einen Laufhof gelassen werden. Fachgutachten und Programme empfehlen solche kombinierten Systeme ausdrücklich als Übergangslösung auf dem Weg zu vollwertigen Laufställen. Die Entscheidung zum Umbau hängt für die häufig sehr kleinen Höfe an der Hofnachfolge und der wirtschaftlichen Perspektive. Wo diese fehlen, wird die Kuhhaltung und damit die Anbindehaltung zunehmend aufgegeben.2

Im Januar 2026 berichtete der Bayerische Rundfunk über die Wege zweier Betriebe aus der Anbindehaltung. Schau dir gerne den Beitrag an.

3.

Werden Höfe eigentlich kontrolliert?

Die Milch gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Das fängt auf den Höfen an, u.a. mit täglichen Qualitätsmessungen. Landwirte protokollieren den Alltag im Stall und sind im täglichen Umgang mit den Tieren in der Regel die Ersten, die feststellen, wenn etwas in der Herde nicht stimmt. Die Qualitätssicherung wird in einem breit gefächerten Monitoring-System vom Zustand der Tiere bis zur Milchlieferung an die Molkerei begleitet. Mehr als 95 Prozent der Betriebe sind dem Qualitätssicherungssystem QM Milch angeschlossen. Dieses überprüft Faktoren wie Hygiene, Futterqualität und Tierhaltung und führt regelmäßige Audits auf den Höfen durch. Sind die Betriebe Teil der Haltungsformkennzeichnung, kommen zusätzliche Audit-Kriterien hinzu.3 Nicht zuletzt werden Milchkuhbetriebe durch staatliche Institutionen wie die Veterinärämter und die Landwirtschaftskammern überwacht.

4.

Sind Kühe „dauerschwanger“?

Der Begriff wurde in den 90er Jahren geprägt. Tatsächlich können Kühe etwa einmal im Jahr ein Kalb austragen und zeigen sich relativ schnell wieder paarungsbereit – teilweise schon nach 9 bis 12 Tagen, in der Regel nach 40 Tagen. Das ist jedoch heute keine Daumenregel. Moderne Praxis geht dahin, die Entscheidung über den geeigneten Zeitpunkt einer erneuten Trächtigkeit für jedes Tier individuell auf der Basis von Gesundheitsdaten zu treffen. Fachmedien diskutieren Zeiträume zwischen 40 und 100 Tagen.4
Einen Überblick gibt es auch auf der Internetseite des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft
.5

5.

Was sagt die Milchwirtschaft zum Begriff „Qualzucht“?

Der Begriff wurde von Tierrechtsorganisationen geprägt und stammt aus einer Zeit, in der Milchleistung das wichtigste Kriterium in der Nachzucht war. Tatsächlich stehen heute bei Zuchtzielen Gesundheit und Fitness der Kühe deutlich im Vordergrund gegenüber der Milchleistung, auf die der Begriff Qualzucht abzielt.6

6.

Werden in Deutschland Milchkühe „verheizt“, um billige Milch zu produzieren?

Nein, für Halter:innen von Milchkühen sind heute Tierwohl, Gesundheit und Langlebigkeit die Grundlage, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Nur gesunde und ausgeglichene Kühe geben auskömmlich Milch. Dazu investieren die Betriebe unter anderem in Stallumbauten und Fortbildungen. Verbraucher:innen können in ihren Kaufentscheidungen unterstützen. Dazu sind Dialog und Information wichtig. Neue Labels auf den Verpackungen unterstützen.

Die Initiative Milch gibt mit der Übersicht „Tierwohl-Label in der Milchkuhhaltung” einen einfachen Überblick.: Tierwohl-Label in der Milchkuhhaltung – Initiative Milch

7.

Was macht die Milchwirtschaft eigentlich mit den männlichen Kälbern, die bekanntermaßen keine Milch geben können?

Die männlichen Kälber sind ebenso Teil unserer Lebensmittelproduktion und werden in die Mast abgegeben. Um regionale Strukturen zu unterstützen, gibt es erste Initiativen beispielsweise in Richtung der Gastronomie, gezielt Fleisch vom „Bruder-Kalb“ anzubieten. Mit den veränderten Ernährungsgewohnheiten in Deutschland gewinnen auch Ansätze an Bedeutung, das Geschlecht zu Gunsten weiblicher Kälber zu beeinflussen, so dass weniger männliche Kälber geboren werden.

8.

Was hat es eigentlich mit den Fällen von Stalleinbrüchen in der Milchkuhhaltung auf sich?

Verschiedene Aktivist:innen beschäftigen sich mit der Milchkuhhaltung und wollen Missstände aufdecken. Dazu sind sie z. B. mit „Urlaub auf dem Bauernhof“ oder auch als Undercover-Mitarbeiter:in vor Ort. Einige dringen auch nächtlich in Ställe ein, um Kameras zu installieren oder Aufnahmen zu machen.

Für die große Mehrheit der Betriebe hierzulande ist klar: Jeder Verstoß gegen den Tierschutz ist einer zu viel. Moderne Haltung setzt die Bedürfnisse der Kühe an erste Stelle und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Für die Landwirt:innen ist ein Generalverdacht eine belastende Situation. Darum sind Dialog und Information wichtig.

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